Fristen und Tipps zur Steuererklärung 2014 / 2015

So erledigt ihr rechtzeitig und ohne Probleme eure Steuererklärung

Für die einen ist sie eine lästige Pflichtaufgabe. Für andere wiederum ein fest eingeplanter Geldsegen in der ersten Jahreshälfte. Aber auch wenn ihr keine Steuererklärung machen müsst, kann sich der Aufwand rentieren. Die Belohnung kann je nach den persönlichen Verhältnissen bei mehreren Hundert Euro liegen.

Wer muss eine Steuererklärung machen?

Bis zum 31. Mai eines jeden Jahres muss die Steuererklärung beim Finanzamt eintreffen. Aber: Nicht jeder, der Steuern zahlt, muss auch eine Steuererklärung machen. Das trifft besonders dann zu, wenn ihr als Arbeitnehmer ausschließlich Einkommen aus einer nichtselbstständigen Tätigkeit hattet. Mit der davon direkt abgeführten Lohnsteuer habt ihr eure Steuerschuld bereits beglichen. Die Höhe des Gehalts ist dabei nicht von Belang.

In einigen Fällen seid ihr als Arbeitnehmer aber zur Abgabe verpflichtet. Geregelt ist dies in § 46 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Bei den folgenden Punkten trifft dies zu:

  • ihr erhaltet neben eurem Gehalt Einkünfte oder Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro pro Jahr
  • ihr seid verheiratet und hab die Lohnsteuerklassenkombination III/V oder nutzt bei Steuerklasse IV das Faktorverfahren
  • auf eurer Steuerkarte steht ein Freibetrag, z.B. Behindertenfreibetrag
  • ihr wart bei mehr als einem Arbeitgeber im Steuerjahr beschäftigt

Frist zur Abgabe der Steuererklärung

Solltet ihr zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sein, muss diese bis zum 31. Mai beim Finanzamt sein. Da der 31. Mai im Jahr 2015 auf einen Sonntag fällt, wird voraussichtlich der 1. Juni 2015 der letzte Termin sein. Ihr könnt mit einem Antrag und entsprechender Begründung die Abgabefrist verlängern. In der Regel wird diesem Antrag auf Fristverlängerung auch problemlos stattgegeben.

Solltet ihr einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein hinzuziehen, habt ihr sogar bis 31. Dezember 2015 Zeit.

Wer keine Steuererklärung beim Finanzamt abgeben muss, dies aber freiwillig tun möchte, kann sich sogar vier Jahre Zeit nehmen. Der letzte Termin wäre dann der 31. Dezember 2018.

Übersicht der Termine für die Einkommensteuererklärung für 2013
  • wenn ihr zur Abgabe verpflichtet seid, ist die Frist bereits abgelaufen
  • für eine freiwillige Abgabe: 31. Dezember 2017

Übersicht der Termine für die Einkommensteuererklärung für 2014

  • wenn ihr zur Abgabe verpflichtet seid: bis 31. Mai 2015 bzw. 1. Juni 2015
  • wenn ihr einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein nutzt: 31. Dezember 2015
  • für eine freiwillige Abgabe: 31. Dezember 2018

 

Weitere Fristen

  für das Steuerjahr ...  freiwillige Abgabe  Abgabepflicht
  OHNE Steuerberater
  Abgabepflicht
  MIT Steuerberater
  ... 2011  31.12.2015  -  -
  ... 2012  31.12.2016  31.05.2013  31.12.2013
  ... 2013  31.12.2017  31.05.2014 (02.06.2014)  31.12.2014
  ... 2014  31.12.2018  31.05.2015  31.12.2015
  ... 2015  31.12.2019  31.05.2016  31.12.2016

 

Grundfreibetrag und weitere Pauschbeträge

Zum 1. Januar 2014 wurde der Grundfreibetrag auf 8.354 Euro erhöht. Bis zu diesen Betrag müssen erwerbstätige Personen keine Einkommensteuer zahlen. Der Grundfreibetrag für Verheiratete (bei gemeinsamer Veranlagung) liegt doppelt so hoch.

Neben dem Grundfreibetrag könnt ihr noch weitere Pausch- bzw. Freibeträge nutzen. So steht euch als Arbeitnehmer der so genannte Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von derzeit 1.000 Euro zur Verfügung (§9a EStG). Bis zu diesem Betrag erkennt das Finanzamt ohne Nachweis pauschal Werbungskosten an. Wollt ihr höhere Werbungskosten absetzen, müsst ihr diese Aufwendungen nachweisen.

Auch für eure Sonderausgaben, z.B. geleistete Spenden oder Vorsorgeaufwendungen, steht euch ein Pauschbetrag bereit. Dieser ist mit 36 Euro für Alleinstehende jedoch relativ niedrig gehalten. Mit entsprechenden Nachweisen könnt ihr leicht mehr absetzen.

Für Kapitalanleger gibt es den Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro, der von den Einnahmen aus Kapitalvermögen abgezogen wird. Der Betrag erhöht sich, wie der Pauschbetrag für Sonderausgaben auch, auf das Doppelte bei zusammenveranlagten Eheleuten. Mehr zum Sparer-Pauschbetrag erfahrt ihr in unserem Ratgeber.

Werbungskosten – Kosten für die Arbeit von der Steuer absetzen

Werbungskosten sind Aufwendungen, die in Zusammenhang mit euren Einkünften auftreten. Das betrifft unter anderem Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung oder Kapitalvermögen aber ganz besonders eure Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit.

Jedem Arbeitnehmer wird vom Finanzamt automatisch ein Arbeitnehmer-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro abgezogen. Habt ihr darüber hinaus Kosten, die in Verbindung mit eurer Arbeit stehen, können diese per Nachweis anerkannt werden und eure Steuerlast senken.   

Den größten Betrag machen oftmals die Kosten für den Arbeitsweg aus. Hier könnt ihr entweder die Entfernungspauschale in Höhe von 30 Cent pro Kilometer oder die tatsächlichen Kosten, z.B. für öffentliche Verkehrsmittel angeben. Die Entfernungspauschale errechnet sich aus der einfachen Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsort multipliziert mit den Arbeitstagen im Steuerjahr und der Entfernungspauschale.

Die Entfernungspauschale

SPARWELT-TIPP:
Der eingetragene Arbeitsweg muss nicht immer der kürzeste sein.“

Für die Berechnung der Entfernungspauschale muss nicht zwangsläufig die kürzeste Verbindung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz eingetragen werden. Auch wenn der Finanzbeamte mit Routenplanern umzugehen vermag, kann unter Umständen ein längerer Arbeitsweg anerkannt werden. Diese Umstände müssen dem Finanzamt aber genau dargelegt werden. Dabei muss der bisherige angenommene Richtwert von einer 20-minütigen Zeitersparnis nicht unbedingt erreicht werden.

In zwei Urteilen hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Einzelfälle zu prüfen sind. So kann auch ein Arbeitsweg mit einer geringeren Zeitersparnis "offensichtlich verkehrsgünstiger" sein. Die angegebene Strecke muss vom Steuerzahler aber auch wirklich genutzt werden. Die theoretische Möglichkeit, die alternative Strecke nutzen zu können, reicht nicht aus.  

Weitere Werbungskosten

Arbeitsmittel: Ihr könnt Arbeitsmittel als Werbungskosten absetzen, wenn ihr sie zu mindestens 90 Prozent beruflich nutzt.

Ist das der Fall finden Fachliteratur, Berufsbekleidung, Handy, Telefon oder Büromaterialien ihren Weg in die Steuererklärung.  

Weitere Ausgaben, die als Werbungskosten ihren Weg in die Steuererklärung finden sind zum Beispiel eure Aufwendungen für Arbeitsmittel, das Arbeitszimmer, Kontoführungsgebühren, Fortbildungskosten oder Dienstreisen.    

Nicht jedem dürfte bekannt sein, dass ihr auch Unfallkosten absetzen könnt. Jedoch nur dann, wenn sich der Unfall auf einer beruflich bedingten Fahrt ereignet hat. Beruflich bedingte Fahrten sind zum Beispiel Dienstreisen, Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder auch Fahrten bei einem beruflich bedingten Umzug. Absetzen könnt ihr neben den Reparaturkosten auch die Kosten für einen Leihwagen, den Gutachter oder Bergungs- sowie Abschleppkosten.

Sonderausgaben absetzen – Private Kosten von der Steuer absetzen

Viele Kosten, die in die private Lebensführung fallen, können als Sonderausgaben abgesetzt werden. Hier lohnt sich das Sammeln von Quittungen besonders, da der Pauschbetrag von 36 Euro für Alleinstehende niedrig angesetzt ist.

Diese Posten könnt ihr zum Beispiel als Sonderausgaben in Steuererklärung eintragen:

  • Unterhaltsleistungen an geschiedene Ehepartner
  • Berufsausbildungskosten
  • Spenden und Mitgliedsbeiträge
  • Vorsorgeaufwendungen, z.B. Riester-Rente und weitere Versicherungen, z.B. zur freiwilligen Pflegeversicherung
  • Kirchensteuer
  • Steuerberatungskosten

Bei den Berufsausbildungskosten werden als Sonderausgaben nur die Kosten einer ersten Berufsausbildung anerkannt. Dieser Ausbildung darf keine andere abgeschlossene Berufsausbildung oder kein abgeschlossenes Hochschulstudium vorausgegangen sein. Fortbildungskosten werden als Werbungskosten in die Steuererklärung eingetragen.

Sachspenden

SPARWELT-TIPP:
Auch Sachspenden können von der Steuer abgesetzt werden.“

Dass Geldspenden von der Steuer abgesetzt werden können, dürfte allgemein bekannt sein. Weniger geläufig ist die Tatsache, dass die Absetzbarkeit als Sonderausgaben auch für Sachspenden gilt. So könnt ihr zum Beispiel Kleiderspenden an eine gemeinnützige Organisation in der Steuererklärung angeben. Dafür braucht ihr eine Spendenbescheinigung vom Spendenempfänger, die den aktuellen Marktwert und Zustand der Spende auflistet.

Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen entstehen euch, wenn ihr zwangsläufig größere Aufwendungen habt als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands entstehen. Das regelt § 33 des Einkommensteuergesetzes.

Außergewöhnliche Belastungen können zum Beispiel Krankheitskosten oder Bestattungskosten sein. Absetzen könnt ihr in der Regel aber nur außergewöhnliche Belastungen, die die so genannte zumutbare Belastung übersteigen. Die Höhe der zumutbaren Belastung ist abhängig von der Höhe des Einkommens, vom Familienstand und der Anzahl der Kinder. Je nach den persönlichen Verhältnissen liegt die Höhe der zumutbaren Belastung dann zwischen einem und sieben Prozent. Nach deren Abzug können die Kosten in unbegrenzter Höhe geltend gemacht werden.

Achtung bei Scheidungskosten
Im Jahr 2013 hat die Bundesregierung den §33 EStG geändert. Demnach sind Prozesskosten nur noch außergewöhnliche Belastungen, wenn die Existenzgrundlage des Klägers gefährdet ist. Scheidungskosten fielen nach Ansicht der Finanzämter nicht darunter. Es gibt jedoch ein erstes Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 4 K 1976/14), das die Kosten einer Ehescheidung als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt.

Wer im Jahr 2013 oder 2014 eine Ehescheidung hinter sich hat, sollte die Kosten in seine Steuererklärung eintragen. Lehnt das Finanzamt diesen Posten ab, sollte rechtzeitig Einspruch mit Hinweis auf das Urteil oder den möglichen Musterprozess vor dem Bundesfinanzhof eingereicht werden.

 

Neben die so genannten allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen gibt es auch die besonderen außergewöhnlichen Belastungen. Bei diesen muss keine zumutbare Belastung geleistet werden, sondern die Kosten werden bis zu einer bestimmten Höhe unbegrenzt anerkannt. Zu den besonderen außergewöhnlichen Belastungen zählen zum Beispiel der Behinderten-Pauschbetrag, der Pflege-Pauschbetrag oder der Hinterbliebenen-Pauschbetrag. Diese werden in der Steuererklärung gesondert abgefragt.

Kinder in der Steuererklärung

 Kinder in der SteuerSeit der Steuererklärung für das Jahr 2012 könnt ihr die Kosten für die Betreuung eurer Kinder einfacher absetzen, denn das Alter und der Grund der Kinderbetreuung spielen keine Rolle mehr. Kosten für die Kindertagesstätte oder die Tagesmutter könnt ihr als Sonderausgaben in die Steuererklärung eintragen. Damit können 2/3 der Kosten und maximal 4.000 Euro pro Jahr abgezogen werden. Diese Regelung gilt für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren. Nicht absetzen könnt ihr die Kosten für Unterricht oder Freizeitbeschäftigungen.

Richtige Steuerklassenwahl bringt höheres Elterngeld

Solltet ihr ein Kind erwarten, denkt daran, rechtzeitige die Steuerklasse des Elternteils zu optimieren, der den Großteil der Elternzeit übernehmen möchte. Denn für die Berechnung zählt nur noch die Steuerklasse, die in den zwölf Monaten vor der Geburt überwog. Bei verheirateten Paaren bringt die Steuerklasse III das meiste Netto vom Brutto. Diese Steuerklasse müsste dann in den zwölf Monaten vor Geburtstermin mindestens sieben Monate lang auf der Steuerkarte stehen. 

Eure Steuerklasse könnt ihr einmal pro Jahr und spätestens bis zum 30. November des laufenden Jahres wechseln. Den Antrag müsst ihr bei eurem zuständigen Finanzamt einreichen. Der Antrag auf den Wechsel der Steuerklasse muss von beiden Ehepartnern unterschrieben werden.

Torsten

Über Torsten

Seit dem Jahr 2000 ist Torsten als Online-Redakteur tätig. Dabei stand er immer auf Seiten der Verbraucher. Besonders die Finanzthemen entwickelten sich zu seinem Steckenpferd. Denn hier ist es besonders wichtig, die guten Angebote von den weniger guten zu trennen sowie weiterführende Informationen und Erklärungen zu bieten.

Torsten Elsner bei Google+

Kommentare